Ein Blum-Scharnier hat zwei Befestigungspunkte: den Scharniertopf in der Tür und die Montageplatte am Korpus. Sie schrauben die Montageplatte an die Korpusseitenwand und clipsen den Scharnierarm darauf. Sie bestimmt zusammen mit Anschlagart und Bohrabstand, wie die Tür am Korpus sitzt.
Bei Blum sind Scharnier und Platte zwei getrennte Teile. Das wirkt beim ersten Kauf umständlich, ist aber der Grund, warum dasselbe Scharnier an sehr unterschiedlichen Korpussen sauber läuft: Sie wählen die Platte passend zur Tür, nicht das Scharnier passend zur Platte. Dieser Ratgeber erklärt die Bauformen, das wichtigste Maß 37/32, den Unterschied zwischen Distanz und Bauhöhe, die Befestigung am Korpus und die Höhenverstellung.
Was die Montageplatte am Korpus leistet#
Ein Topfscharnier hat zwei Befestigungsstellen. Vorne sitzt der Topf in der 35-mm-Topfbohrung der Tür, hinten greift der Scharnierarm auf die Montageplatte am Korpus. Erst beide zusammen ergeben das fertige Scharnier. Die Platte hat drei Aufgaben:
- Sie hält den Arm sicher an der Seitenwand.
- Über ihre Distanz legt sie fest, wie weit der Arm vom Korpus absteht.
- Sie erlaubt die Höhenverstellung der Tür.
Deshalb ist die Montageplatte kein beliebiges Zubehör, sondern Teil der technischen Auswahl. Wer nur das Scharnier bestellt und die Platte als Nebensache behandelt, bekommt am Ende einen Aufschlag, der nicht passt, oder eine Tür, die sich nicht sauber justieren lässt. Welche Platte Sie brauchen, hängt vom gewünschten Frontaufschlag ab, und der ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Anschlagart, Bohrabstand TB und Platten-Distanz.
Bei CLIP top und CLIP top BLUMOTION clipsen Sie den Arm auf die Platte und lösen ihn werkzeuglos wieder. Bei den älteren MODUL-Scharnieren schieben Sie den Arm auf und verschrauben ihn. Diese beiden Welten haben eigene Platten und lassen sich nicht mischen.
Übersicht der Bauformen#
Die Bauform der Platte richtet sich nach der Korpussituation und dem Scharnier. Die Kreuzmontageplatte ist weit verbreitet und im Werkstattbau oft die erste Wahl. In der Küchen- und Wohnmöbelindustrie kommen aber zunehmend lineare (gerade) Montageplatten zum Einsatz, und auch in vielen Bestandsmöbeln sind sie verbaut. Die 28/32-Platte und die Zwillingsanschlag-Platte bleiben dagegen Sonderfälle.
| Bauform | Typisches Bohrbild | Verwendung | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Kreuzmontageplatte | 37/32 | Standard bei normalen Korpusseiten | häufigste Variante |
| Gerade (lineare) Platte | 20/32 | schmalere, gerade Bauform | nur wenn Bohrbild bewusst gewählt oder vorhanden |
| Kreuzmontageplatte 28/32 | 28/32 | Lochreihe näher an der Vorderkante | Sonderfall, unter anderem bei IKEA |
| Zwillingsanschlag-Platte | meist 37/32 | zwei Türen an gemeinsamer Mittelwand | Spezialfall |

Die Kreuzmontageplatte trägt ihren Namen von der kreuzförmigen Auflage. Diese Form gibt dem Scharnierarm einen breiten, stabilen Sitz und passt für die große Mehrheit der Anwendungen. Die gerade oder lineare Montageplatte ist schmaler und kommt dann zum Einsatz, wenn die Einbausituation oder das Scharnier diese Bauform verlangt. Wichtig ist: Die beiden Formen sind nicht gegeneinander austauschbar, weil das Bohrbild zur vorhandenen Lochreihe oder Bohrung an der Korpusseite passen muss.
Die Zwillingsanschlag-Montageplatte ist für die enge Situation gebaut, in der zwei Türen mit ihren Scharnieren an einer gemeinsamen Mittelwand laufen und der Platz knapp wird. Daneben gibt es im MODUL-Programm weitere Sonderplatten wie die Stollenscharnier-Platte oder die Kühlschrank-Schlepptür-Platte. Diese gehören in den MODUL-Kontext und planen Sie getrennt von den CLIP-Platten.
Was 37/32 bedeutet#
37/32 ist das Bohrbild der Standard-Kreuzmontageplatte und für die Werkstatt das wichtigste Maß an der Korpusseite. Die beiden Zahlen sagen genau, wo die Befestigungslöcher sitzen. Die erste Zahl ist der Abstand der Befestigungsloch-Reihe von der Korpusvorderkante, hier also 37 mm. Die zweite Zahl ist der Abstand der beiden Bohrungen zueinander, hier 32 mm, das übliche 32-mm-Systemraster.

Bei der Kreuzmontageplatte 37/32 liegen die beiden Löcher senkrecht übereinander, die Reihe 37 mm hinter der Vorderkante. Die Scharnierhöhe ergibt sich aus der Position dieser Reihe, die Scharniermitte liegt praktisch mittig zwischen den zwei Punkten. Wenn Sie einen Schrank neu bauen, ist die 37-mm-Lochreihe der wichtigste Ausgangspunkt. Von dort aus bestimmen Sie über Scharnier, Bohrabstand und Platten-Distanz den Aufschlag und die endgültige Türlage.
Neben 37/32 gibt es weitere Bohrbilder. Die gerade Platte trägt meist 20/32, ihre Lochreihe sitzt also nur 20 mm hinter der Vorderkante. Die Sonderform 28/32 hat die Reihe bei 28 mm und kommt unter anderem bei IKEA vor. Das Bohrbild muss immer zum Scharnier und zur vorhandenen Bohrung passen, sonst sitzt die Tür nach der Montage falsch.
Distanz ist nicht die Bauhöhe#
Die Distanz der Montageplatte ist das Maß, das den Türaufschlag steuert. Sie sagt, wie weit der Scharnierarm vom Korpus absteht. Verwechseln Sie sie nicht mit der tatsächlichen Bauhöhe der Platte, denn genau das ist der häufigste Irrtum bei Ersatzanfragen.
| Montageplatten-Distanz | tatsächliche Höhe H (viele CLIP-Platten) |
|---|---|
| 0 mm | ca. 8,5 mm |
| 3 mm | ca. 11,5 mm |
| 6 mm | ca. 14,5 mm |
| 9 mm | ca. 17,5 mm |
| 11 mm | ca. 19,5 mm |
| 18 mm | ca. 26,5 mm |


Sagt ein Kunde "ich brauche eine 9-mm-Platte", meint er meist die Distanz 9 mm. Die tatsächliche Bauhöhe der Platte liegt dann bei vielen CLIP-Platten bei etwa 17,5 mm. Blum führt die beiden Werte in den Tabellen getrennt als Distanz und als Höhe. Bestellen Sie deshalb über die Distanz, nicht über eine gemessene Bauhöhe, sonst landen Sie eine Stufe daneben.
Als Faustregel gilt: Je größer die Distanz, desto kleiner der Frontaufschlag, weil der Arm weiter vom Korpus absteht und die Tür näher zur Korpusmitte rückt. Die Distanz lässt sich nicht pauschal einer Anschlagart zuordnen, sie ergibt sich aus Scharnier, Topfabstand TB und gewünschtem Frontaufschlag nach der Planungstabelle des Scharniers. Wer unsicher ist, liegt mit Distanz 0 in den meisten Anwendungen zunächst richtig.
Befestigung am Korpus#
Wie die Platte an der Seitenwand sitzt, hängt davon ab, ob eine Systembohrung da ist und ob Sie in Serie oder einzeln montieren.
| Befestigung | Erklärung | Wann |
|---|---|---|
| Spanplatten- oder Holzschrauben | direkt mit Ø 3,5 oder Ø 4 mm, Länge etwa 17 mm | Reparatur, Einzelmontage, keine Systembohrung |
| System- oder Euroschrauben | in 5-mm-Systembohrungen, meist Ø 6 x 14,5 mm | Serienfertigung, 32-mm-Raster |
| EXPANDO und Spreizdübel | vormontierte Spezialschrauben mit Spreizdübeln | vorgebohrte Löcher, spreizender Halt |
| INSERTA-Platte | werkzeuglos mit Selbsteinzug | Serienfertigung, exaktes Bohrbild |
| Pressdübel | eingepresst | Maschinenmontage, nicht für Handmontage |
Für Reparatur und Einzelmontage verschrauben Sie die Platte am einfachsten mit Spanplattenschrauben. Sie brauchen keine vorbereitete Systembohrung und setzen die Platte dorthin, wo sie hingehört. In der Serienfertigung dagegen sitzt die Platte in der Systembohrung, also vorgebohrten 5-mm-Löchern im 32-mm-Raster, befestigt mit Systemschrauben. Das gibt einen gleichmäßigen, sauberen Sitz ohne Anreißen.
Daneben gibt es die werkzeuglosen und maschinellen Varianten. Die INSERTA-Platte rastet mit Selbsteinzug ein, EXPANDO arbeitet mit Spreizdübeln, und Pressdübel pressen Sie mit der Maschine ein. Diese Varianten brauchen ein exaktes Bohrbild und sind für die Handmontage weniger praktisch.
Ein wichtiger Punkt zur Abgrenzung: Kleben ist am Korpus nicht der Blum-Standard. Geklebt wird auf der Frontseite, etwa bei Glas- und Spiegeltüren mit CRISTALLO. Am Korpus arbeiten Sie mit Schrauben, Systemschrauben, Spreizdübeln, INSERTA oder Pressdübeln.
Höhenverstellung: Exzenter oder Langloch#
Nach der Montage stellen Sie die Türhöhe an der Platte ein. Dafür gibt es zwei Bauarten. Bei der Exzenter-Höhenverstellung drehen Sie eine Exzenterschraube, und die Tür wandert nach oben oder unten, ohne dass Sie die Befestigungsschrauben lösen. Das geht schnell und fein, der Verstellbereich liegt je nach Platte meist bei etwa plus/minus 2 mm. Wer regelmäßig montiert, schätzt die Exzenterplatte, weil die Korrektur ohne Lösen der ganzen Platte gelingt.

Bei der Langloch-Höhenverstellung sind die Schraubpunkte als Langlöcher ausgeführt. Zum Verstellen lösen Sie die Schrauben, schieben die Platte nach oben oder unten und ziehen wieder fest. Das ist die einfachere und günstigere Variante. Für die feine Einstellung ist sie etwas grober, weil Sie die Platte beim Festziehen genau halten müssen. Beim Ersatz älterer Scharniere reicht die Langloch-Platte aber häufig völlig.
Sonderfälle und Abgrenzungen#
Einige Punkte tauchen in der Praxis immer wieder auf und führen zu Fehlbestellungen, wenn Sie sie übersehen.
Bei Weitwinkel- und 0-Einsprungscharnieren weist Blum bei mehreren Platten auf eine zusätzliche Schraube hin. Bei schweren oder stark belasteten Türen gibt diese Zusatzschraube den nötigen Halt. Bei Sonderwinkeln und bestimmten innenliegenden Anwendungen kann die Befestigungsposition zurückgesetzt sein, dafür gibt es je Scharniertyp eigene Planungstabellen im Blum-Katalog.
CLIP und MODUL dürfen Sie nicht mischen. CLIP-Platten gehören zu den CLIP-Scharnieren mit Aufclipstechnik, MODUL-Scharniere mit Aufschiebetechnik brauchen passende MODUL-Platten. Die Platten sehen sich ähnlich, sind aber nicht automatisch austauschbar. Wer hier mischt, bekommt entweder keinen sauberen Sitz oder gar keine Verbindung.
Und schließlich die Frage, warum bei vielen Blum-Scharnieren keine Platte beiliegt. Das ist kein Fehler in der Lieferung, sondern Absicht. Weil Distanz und Bauform zur Anwendung passen müssen, verkauft Blum viele Scharniere ohne Platte, damit Sie die passende separat wählen. Prüfen Sie vor der Bestellung den Set-Inhalt, denn manche Komplett-Sets bringen eine Platte schon mit, viele einzelne Scharniere nicht.
So wählen Sie die richtige Platte#
Für einen normal gebauten Korpus mit Blum CLIP top oder CLIP top BLUMOTION ist die Kreuzmontageplatte im Bohrbild 37/32 meist die richtige Wahl. Die Distanz richtet sich nach Scharnier, Topfabstand und gewünschtem Aufschlag, im Zweifel ist 0 mm der Ausgangspunkt. Die Höhenverstellung wählen Sie nach Anspruch: Exzenter für die komfortable, feine Justage, Langloch für den einfachen und günstigen Fall.
Beim Ersatz eines defekten Scharniers lohnt der Blick auf die vorhandene Platte. Sitzt sie fest und passt sie zum neuen Scharnier, also gleicher Plattentyp, gleiches Bohrbild und gleiche Distanz, können Sie sie behalten und nur das Scharnier neu aufclipsen. Mittauschen sollten Sie die Platte, wenn die Schraublöcher ausgerissen sind, die Platte verbogen ist oder das neue Scharnier eine andere Distanz oder Bauform braucht. Wenn Sie unsicher sind, welche Kombination zu Ihrer Tür gehört, führt der Blum-Scharnier-Finder Schritt für Schritt durch die Fragen. Die Auswahl-Logik der gesamten Scharnierseite, also Anschlagart, Auflage und Funktion, steht im Ratgeber Blum Scharniere richtig auswählen.