Die ECODRILL ist die Handlehre, mit der Sie die Topfbohrung für ein Blum-Scharnier ohne Ständerbohrmaschine setzen. Blum hat sie nach über zwanzig Jahren überarbeitet. Neu sind eine Einhandklemmung, ein Absaugstutzen und eine Einstellung, die jetzt von oben zugänglich ist.
Das Gerät kostet keine Werkstatt-Grundausstattung, sondern löst ein Montageproblem: Wenn auf der Baustelle eine Tür nachbestellt wurde oder ein Scharnier an eine andere Stelle soll, fährt niemand zurück in die Werkstatt.
Was sich geändert hat#
Beim Vorgänger mussten zwei Hebel umgelegt werden, um die Lehre festzuklemmen. Jetzt ist es einer. Blum schreibt dazu: „Im Gegensatz zu früher müssen Sie nur noch einen Hebel umlegen, um die ECODRILL festzuklemmen.“ Die Materialdicke stellt eine federunterstützte Selbstklemmung ein, dadurch lässt sich die Lehre leichter ansetzen und auf dem Werkstück verschieben.
Der zweite Punkt ist die Absaugung. Die Lehre hat jetzt ein geschlossenes Gehäuse mit Absaugstutzen für Schläuche von 32 bis 42 mm Durchmesser, dazu mehr Spanraum im Inneren.
Der dritte Punkt betrifft die Einstellung. Sie ist von oben und einhändig erreichbar, und Sie stellen zwei Bezugsmaße ein: den Randabstand und das Maß bis zur Bohrungsmitte.

Der Anschlagwinkel wird oft übersehen#
An der Lehre sitzt ein Anschlagwinkel, mit dem Sie die Montageplatte anreißen und vorkörnen. Das klingt nach Kleinigkeit, ist aber der Grund, warum die Lehre die Scharniermontage komplett abdeckt und nicht nur zur Hälfte.
Die Topfbohrung ist nämlich nur die eine Seite. Ohne die Platte auf der Korpusseite hängt keine Tür. Wer beides mit einem Gerät anzeichnet, hat beide Bezugsmaße aus derselben Quelle und spart sich die zweite Lehre im Koffer. Blum gibt den Winkel auch für die Grundplatten von TIP-ON und BLUMOTION an.
Was im Set fehlt, ist der passende Bohrer dafür. Die Montageplattenbohrungen brauchen 5 mm, mitgeliefert werden Ø 35 mm und Ø 8 mm. Den Fünfer und einen Tiefenanschlag legen Sie also selbst dazu.
Die Maße, die feststehen#
Randabstand 2 bis 8 mm. Einbohrmaß bis 12,5 mm für Falttürscharniere. Materialdicke 15 bis 40 mm. Seitliche Anschläge mit einer Skala von 80 bis 130 mm, aus- und einklappbar. Angetrieben wird die Lehre mit der Handbohrmaschine oder dem Akkuschrauber.
Im Lieferumfang sind die Lehre, ein Beschlagbohrer Ø 35 mm, zwei Dübelbohrer Ø 8 mm und zwei Torx-Bits. Die Ersatzbohrer heißen M31.ZB35.32 und M31.ZB08.32.
Freigegeben ist die Lehre für CLIP top BLUMOTION, CLIP top, MODUL sowie die Klappenscharniere AVENTOS HF und AVENTOS HK-XS.
Eine Angabe fehlt in allen Blum-Unterlagen: die Bohrtiefe. Weder die Landingpage noch die Montageanleitung nennen sie. Wer auf ein konkretes Maß angewiesen ist, fragt besser nach, statt es aus dem Prospekt abzuleiten.
Randabstand ist nicht Einbohrmaß#
Das ist der Punkt, an dem in der Praxis am häufigsten aneinander vorbeigeredet wird, und wir haben ihn auf unserer eigenen Produktseite selbst durcheinandergebracht.
Der Randabstand ist der Abstand von der Frontkante bis zum Rand der Topfbohrung. Dafür gilt die Spanne 2 bis 8 mm. Das Einbohrmaß ist ein anderes Maß, und die 12,5 mm dafür betreffen Falttürscharniere. Wer die beiden Begriffe für dieselbe Zahl benutzt, produziert Rückfragen.
Was ein Test aus der Fachpresse ergeben hat#
Die Fachzeitschrift Bau- und Möbelschreiner hat die Lehre auf ihrem Kanal BM TV von Tischlermeister Sigi Hoffmann im Praxischeck durchbohren lassen, durch Kiefer-Vollholz, beschichtetes MDF und weiße Spanplatte. Sein Gesamturteil fällt positiv aus, das Bohrbild sauber.
Drei Kritikpunkte nennt er trotzdem, und alle drei sind nachvollziehbar. Das Arbeiten nach Anriss über das Sichtfenster braucht gutes Licht, bei Schattenwurf sieht man den Riss schlecht. Für die Bohrungen der Montageplatten fehlt im Set ein 5-mm-Bohrer mit Tiefenanschlag. Und die Bohrtiefe lässt sich zwar verstellen, aber nur über eine Kontermutter, ein Aufsteck-Tiefenbegrenzer wäre im Alltag bequemer.
Bei der Absaugung deckt sich sein Befund mit dem, was man erwarten würde: Bei Spanplatte und Vollholz zieht sie sauber ab, bei langspanenden Materialien sammeln sich Späne im Gehäuse, ohne dass das Bohrergebnis darunter leidet.
Für wen sich die Lehre lohnt#
Für alle, die Scharniere außerhalb der Werkstatt setzen oder nachsetzen. Für den Aufmaß- und Montagewagen, für den Kundendienst, für die Werkstatt ohne eigene Bohrmaschine mit Scharnierbohrkopf.
Sie ersetzt keine stationäre Lösung, wenn Sie täglich Serien bohren. Dafür ist sie zu langsam, und die Ständerbohrmaschine mit Aufspannvorrichtung bleibt im Wiederholfall genauer.
Der andere Fall ist der Bestandsbau. Wenn ein Kunde einen alten Schrank umbauen lässt, eine Tür dazukommt oder ein Anschlag von links auf rechts wandert, steht das Möbel meistens schon an der Wand. Dann bohren Sie im Raum oder gar nicht.
Ein Wort zur Einordnung: Die ECODRILL ist eine Handlehre, keine Bohrstation. Sie führt den Bohrer, den Vorschub machen Sie. Wer sauber arbeitet, bekommt ein sauberes Bohrbild, wer schief ansetzt, bekommt ein schiefes. Die Gummifüße und die Klemmung nehmen Ihnen einen Teil davon ab, aber nicht alles.
Empfehlung#
Wer die alte ECODRILL hat und zufrieden ist, muss nicht wechseln. Die Bohrbilder waren schon vorher in Ordnung. Interessant wird die neue Version, wenn Ihnen die Absaugung wichtig ist oder wenn Sie die Lehre häufig ansetzen und wieder lösen, weil dort die Einhandklemmung den Unterschied macht.
Vor der Bestellung eine Sache klären: Ob Ihr Sauger mit dem Stutzen zusammenpasst. 32 bis 42 mm deckt die gängigen Werkstattsauger ab, aber nicht jeden.
